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hangaram e.V. informiert: Resumé zum 815 Sportfest am 12.08.06 in Castrop!
Tuesday, 18. July 2006
  Pil Seung - BERLIN! Pil Seung - BERLIN! 

 

 - Ein vollkommen subjektiver Bericht -

 

 Alle Jahre wieder heißt es „Go West“!

Das Wochenende nach dem 15. August ist mittlerweile ein fester Bestandteil im Kalender der koreanischen Gemeinde.

Nachdem Berlin ein Jahr pausiert hat, um anderen Städten auch mal ein Erfolgserlebnis zu gönnen, fand das alljährliche Sportfest wieder mit einer Delegation aus der Hauptstadt statt. Und zwar im guten, alten Castrop-Rauxel – aus organisatorischen Gründen eine Woche früher als gewohnt. B

15. August 1945

8.15 ”pal il oh”

광복절 guang bok jeol“

Koreanischer Nationalfeiertag

Nach 35-jähriger Kolonialzeit endet die Besatzung Koreas mit der offiziellen Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg.

Nördlich des 38. Breitengrades ergeben sich die japanischen Besatzer der Roten Armee und im Süden den US-Amerikanischen Truppen.

ereits am Vortag machte sich ein erster Bus bei strömendem Regen auf den Weg nach Dortmund, wo die Sportler sich in einer Jugendherberge von den Strapazen der langen Anreise erholen sollten. Nach einer viel zu kurzen Nacht, die der eine oder andere genutzt hat, um die Dortmunder Gastronomie zu testen, ging es ins dreißig Minuten entfernte Castrop-Rauxel, wo bereits ein weiterer Bus mit dem zweiten Teil der Berliner Reisegruppe wartete. Wie sich später herausstellte, hatte dieser eine noch kürzere Nacht hinter sich. Denn mit durchfrorenen zwei Stunden Verspätung erst konnte die direkte Reise nach Castrop-Rauxel angetreten werden. Schuld war diesmal nicht das unverwechselbare, koreanische Organisationstalent, sondern ein Schreibfehler des Busunternehmens.

 

Doch es zählte nur eines: Berlin war komplett!

Back to Castrop

Reges Treiben herrschte auf der Wiese neben der Europahalle. Und ein wenig Konfusion. Das Berliner Zelt - übrigens nicht ohne Stolz zu erwähnen: das größte weit und breit – konnte nicht am gewohnten Platz direkt neben dem Aschefeld aufgebaut werden. Angeblich haben unsere Jungs jahrelang auf einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gespielt. Diese war noch nicht geborgen und Fußballplätze samt Camping-Wiese deswegen gesperrt. Darüber hinaus jedoch der gewohnte Anblick: Dortmund, Düsseldorf, Köln, Leverkusen, Frankfurt und wie sie alle heißen. Alle waren wieder da. Darunter solche Exoten wie Kamp-Lintfort, Bodensee, Mettmann, die sich nur mit Mühe im Schulatlas ausfindig machen lassen. Aber auch diese Städte traten an, und sei es mit nur zwei Mann, zum obligatorischen Reden-Anhören, Nationalhymne-Singen und Eid-Schwören. Beim Verlassen des asphaltierten Platzes, immer brav dem Berlin-Schild folgend, war ein erster Blick erlaubt. Wer wohl dieses Jahr alles hier ist?


Das Schaulaufen beginnt

Seit damals hat sich nichts geändert. Ob hier Verbindungen fürs Leben geknüpft werden, ist wohl in Frage zu stellen. Kann aber auch nicht widerlegt werden. Zumindest scheint es, als gäbe man(n aber nicht minder frau) sich größte Mühe, diesen Basar nicht als Single zu verlassen. Da ist es wenig verwunderlich, dass man schon um zehn Uhr morgens weiß-gepuderte Glamour-Style-Guide-Leserinnen in goldenen Schühchen über den Rasen stolpern sieht. Genauso die Vertreter des anderen Geschlechts: Mann präsentiert sich mit frischem Haarschnitt, möglichst vielen Homies und Stirnband. Wozu? Es hat den ganzen Tag über immer wieder geregnet. Also ist davon auszugehen, dass der modisch bewusste Nicht-Sportler ein Stirnband getragen hat, um weniger den Schweiß als den Regen abzufangen. Und natürlich ging auch dieses Jahr nichts ohne Bling Bling, LV und Gucci.

Aber da war doch noch etwas..


Castrop sieht blau - hellblau

Abgesehen von kiloweise herbei gerolltem Fleisch, Kim Chi, und Obst, gab es da nicht noch etwas Erwähnenswertes? Ach ja: Sport!

Die nicht entschärfte Fliegerbombe hatte zur Folge, dass das Fußballturnier im wiederum dreißig Minuten entfernten, deswegen aber nicht weniger kosmopolitischen Recklinghausen, stattfand. Und schon stellte sich ein weiteres Mal ein fast unüberwindbares Hindernis in den Weg, denn die bestellten Shuttle-Busse blieben dem Spektakel fern. Wie der Held in glänzender Rüstung rettete Achim, der Fahrer des ersten Berlin-Busses, die Situation und brachte die Kicker an ihren Bestimmungsort – einen Ascheplatz in Downtown Recklinghausen.

Die Leichtathleten traten unterdessen geschlossen zum Streik an: Die angekündigte Laufbahn war nichts weiter als aufgeschütteter Schotter.

Die mitgereisten Tauzieher, Armdrücker und Ringer kamen leider auch nicht zum Einsatz. Ort und Zeit des Wettkampfes wurden den Berliner Sportlern nämlich nicht durch die Turnierleitung mitgeteilt. Immerhin erfuhren Sie im Nachhinein, dass sie alles verpasst hatten.

Zur gleichen Zeit versammelte sich ein Großteil der Fangemeinschaft in der anliegenden Sporthalle. Hier sollten Volleyball und Basketball ausgetragen werden. Und auch diese Wettbewerbe hatten einen erwartungsgemäß holprigen Start. Während für die Basketballspiele keine Schiedsrichter vor Ort waren, weswegen diese Aufgabe Spieler übernahmen, konnte für die Berliner Volleyball-Mannschaft der Frauen kein Gegenspieler gefunden werden. Offensichtlich hatten alle Teams angesichts des übermächtigen Gegners bereits im Vorfeld das Handtuch geworfen und waren gar nicht erst angetreten. Statt die Frauschaft jedoch zum Sieger des Turniers zu erklären, wurde sie kurzerhand in das Männerturnier integriert. Dort scheiterten die Berlinerinnen, unterstützt durch Imports aus dem Herren- und Basketball-Team, denkbar knapp an einer, dennoch gedemütigten, Herren-Mannschaft aus Recklinghausen.

Telefonisch immer in Kontakt mit den mitgereisten Fans, wurde jede Nachricht aus Recklinghausen über einen weiteren Sieg der Fußballmannschaft mit Jubel aufgenommen.

Doch die im Turnier verbliebenen Herren-Mannschaften gaben der Menge in hellblauen Hangaram-T-Shirts auf den Rängen zusätzlichen Grund zur Freude. Standen die Berliner Volleyballer auf dem Feld, war es weder darauf noch daneben leise. Jeder Punkt, jeder Block und sogar Ballverlust wurden begleitet von „Pil Seung Berlin“-Rufen. Sichtlich motiviert erreichte der Berliner Kader schließlich das Finale.

Im abgetrennten Teil der Halle gaben sich die Basketballer mit einem zweiten Gruppenplatz zufrieden, um Kräfte zu sparen, und schafften es mit dieser Taktik ebenfalls bis ins Finale, wo als letzter Gegner das Frankfurter Team wartete.

Zwischendurch ein weiterer Anruf: Die Jungs in Recklinghausen hatten es bis ins Halbfinale geschafft.

In der Zwischenzeit lieferten sich die Volleyballer auf dem Center-Court ein letztes Gefecht mit der Mannschaft aus Frankfurt. Und tatsächlich holten sie den ersten Pokal des Tages nach Berlin.

Es sollte aber nicht der letzte bleiben. Denn nach dem Basketball-Finale war klar: Doppelschlag! Auch im Basketball musste Frankfurt feststellen, dass das wochenlange Training nicht ausgereicht hatte, um einem starken Berliner Team die Stirn zu bieten.

Sollte das Triple tatsächlich gelingen?


Berlin – mehr als nur Meister der Herzen

Frisch geduscht und hungrig erreichten die Hallensportler mit Fans im Anhang das Zelt, wo fleißige Händchen bereits frisches Fleisch auf den Grill gelegt hatten. Bei jedem Bissen waren die Gedanken jedoch bei den Fußballern. Diese waren nicht annähernd so gut versorgt. Und nun ging das Gerücht, dass eine zweifelhafte Schiedsrichterentscheidung ihren Einzug in das Finale verhindert hätte.

L

Castrop-Rauxel

Stadt im östlichen Ruhrgebiet. Bundesland Nordrhein-Westfalen, Kreis Recklinghausen.

77.780 Einwohner davon 51% weiblich.

Das ehemalige und neue Motto beschreiben den Strukturwandel der Region: Aus „Industriestadt..“ wurde „Europastadt im Grünen“.

Castrop-Rauxel verfügt über zahlreiche Grün- und Erholungsflächen und Sportplätze.

siehe auch

www.castrop-rauxel.de

inks und rechts wurden schon die ersten Zelte abgebaut. Im Hintergrund schepperten, nun lauter als schon den ganzen Tag über, Schlager, wie man sie sonst an koreanischen Raststätten hört. In den Veranstaltungssälen hatte das Kulturprogramm anscheinend schon ohne uns begonnen.

 

Da ließ eine Stimme die Menge aufhorchen: „Sie kommen!“ Und tatsächlich war durch die Bäume zu erkennen, wie ein Bus angerollt kam. Sie waren wieder da. Mit Applaus und vollen Tellern wurden die Kicker begrüßt. Nach einem langen Turniertag hatten sie im Elfmeterschießen des kleinen Finales knapp unterlegen und einen stolzen vierten Platz für Berlin erkämpft.

Während der eine nun begann im Kopf auszurechnen, welche Platzierung dies nun für Berlin im Städte-Vergleich bedeuten würde, war manch anderer schon mit einem Fuß in der Deutschlandhalle.


Der letzte Akt

Wer einen Blick in die Europahalle riskierte, entdeckte Koreaner mittleren bis reiferen Alters, die heimatlichen Klängen lauschten und rhythmisch dazu klatschten. Anders nebenan: Ob Sportler oder Fan, Hamburger oder Frankfurter, in der Deutschlandhalle versammelten sich alle zu einer großen feiernden Traube – um die Berliner herum. Die traditionelle After-Party war nicht zuletzt dank der Hauptstadtrocker ein gelungener Abschluss des 8.15-Sportfestes. 
 

Berlin, Fehrbelliner Platz, 13. August 2006, 7.30 Uhr. Etwa hundert Koreaner verlassen zwei Reisebusse. Im Gepäck: Tüten voller Kekse und Gemüse, Sporttaschen und zwei goldene Pokale. Mission accomplished! KIK

 
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